Was Sie über Zeckenstiche, FSME, Borreliose und den richtigen Schutz wissen sollten
Mit den ersten warmen Tagen beginnt auch die Zeckensaison. Zecken kommen nicht nur im Wald vor, sondern auch in Parks, Gärten, auf Wiesen und an Wegesrändern. Als Dermatologen sehen wir regelmäßig die Folgen von Zeckenstichen – von harmlosen Hautreaktionen bis hin zu ernstzunehmenden Infektionen.
Wo lauern Zecken?
Zecken sitzen bevorzugt in hohem Gras, Gebüschen und bodennaher Vegetation. Sie lassen sich nicht von Bäumen fallen, sondern werden beim Vorbeigehen abgestreift. Besonders aktiv sind sie von Frühjahr bis Herbst, bei milden Temperaturen teilweise sogar ganzjährig.
FSME – die virusbedingte Gefahr
Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird durch Viren übertragen. Die Erkrankung kann zu einer Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten führen.
Typische Symptome sind:
- Fieber
- Kopf- und Gliederschmerzen
- Übelkeit
- neurologische Beschwerden wie Schwindel oder Lähmungen
Nicht jeder Zeckenstich führt zu einer FSME-Infektion. Das Risiko hängt von der Region ab. In Deutschland gelten vor allem Teile Bayerns und Baden-Württembergs als Risikogebiete, inzwischen werden jedoch auch in anderen Bundesländern zunehmend FSME-Fälle registriert.
Die gute Nachricht:
Gegen FSME gibt es eine wirksame Schutzimpfung. Sie wird allen Personen empfohlen, die in Risikogebieten leben oder sich dort regelmäßig im Freien aufhalten.
Borreliose – die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung
Die Lyme-Borreliose wird durch Bakterien (Borrelien) verursacht. Anders als bei FSME gibt es derzeit keine Schutzimpfung.
Die Übertragung erfolgt meist erst nach mehreren Stunden Saugdauer. Deshalb ist das frühzeitige Entfernen einer Zecke besonders wichtig.
Frühes Warnzeichen: Wanderröte
Das häufigste erste Anzeichen einer Borreliose ist die sogenannte Wanderröte (Erythema migrans):
- ringförmige Rötung um die Einstichstelle
- langsame Ausbreitung über Tage bis Wochen
- häufig mit zentraler Aufhellung
- meist größer als 5 cm
Weitere mögliche Symptome:
- Müdigkeit
- Fieber
- Muskel- und Gelenkschmerzen
- Lymphknotenschwellungen
Unbehandelt kann sich die Erkrankung auf Nerven, Gelenke oder das Herz ausbreiten.
Wichtig:
Nicht jede Rötung nach einem Zeckenstich ist eine Borreliose. Eine kleine lokale Hautreaktion in den ersten Tagen ist häufig und meist harmlos.
Was tun nach einem Zeckenstich?
- Zecke möglichst zeitnah entfernen.
- Eine feine Zeckenzange oder Zeckenkarte verwenden.
- Die Zecke hautnah greifen und gerade herausziehen.
- Die Einstichstelle anschließend desinfizieren.
- Datum und Körperstelle notieren.
- Die Haut in den folgenden Wochen beobachten.
Von Hausmitteln wie Öl, Nagellack oder Klebstoff raten wir ab.
So schützen Sie sich vor Zecken
Bei Aufenthalten im Grünen:
✔ lange Hosen und geschlossene Schuhe tragen
✔ helle Kleidung wählen, damit Zecken leichter sichtbar sind
✔ Hosenbeine in die Socken stecken
✔ zeckenabweisende Repellents verwenden
✔ nach dem Aufenthalt im Freien den gesamten Körper absuchen
Besonders sorgfältig kontrollieren:
- Kniekehlen
- Leistenregion
- Achseln
- Bauchnabel
- Haaransatz
- Bereich hinter den Ohren
Auch Kinder sollten nach dem Spielen im Freien gründlich abgesucht werden.
Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?
Bitte stellen Sie sich ärztlich vor, wenn:
- sich eine ringförmige Rötung entwickelt,
- Fieber oder grippeähnliche Beschwerden auftreten,
- die Einstichstelle sich deutlich entzündet,
- neurologische Symptome wie Gesichtslähmungen oder starke Kopfschmerzen auftreten,
- Sie unsicher sind, ob eine Wanderröte vorliegt.
Unser Fazit
Die meisten Zeckenstiche verlaufen folgenlos. Dennoch sollten Zeckenstiche ernst genommen werden, da sie FSME-Viren oder Borrelien übertragen können. Der beste Schutz besteht aus geeigneter Kleidung, sorgfältiger Hautkontrolle nach Aufenthalten im Freien und – in Risikogebieten – einer FSME-Impfung.
Bei auffälligen Hautveränderungen oder Beschwerden nach einem Zeckenstich beraten wir Sie gerne in unserer Praxis. Früh erkannt lassen sich die meisten durch Zecken übertragenen Erkrankungen sehr gut behandeln.
